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Treibhausgas

Klimakiller Kuh? Gefährliches Halbwissen!

Die Kuh spielt nicht nur bei Alpahirt, sondern ganz allgemein auf den Schweizer Tellern und Feldern eine übergeordnete Rolle. In den letzten Jahren ist unser Nationaltier jedoch ein bisschen in Verruf geraten. Das liegt hauptsächlich an der Behauptung, dass die Treibhausgase, die in der Rindviehhaltung emittiert werden, überproportional zur Klimaerwärmung beitragen sollen. Schuld daran sei primär der Ausstoss von Methan – ein Treibhausgas, das die Wiederkäuer als Teil ihres Stoffwechsels an die Umwelt und in die Atmosphäre abgeben.

Da wir bei Alpahirt für eine enkel- und zukunftstaugliche Landwirtschaft stehen und Teil der „Wertschöpfungskette Kuh“ sind, haben wir mittels einer kleinen Literaturrecherche den Faktencheck gemacht. 

Da das Thema komplex ist, werden wir an der Basis starten und zuerst klären, was die Treibhausgase genau sind und welchen Einfluss sie auf die Klimaerwärmung haben. Wir werden sehen, dass der Begriff Treibhausgase eine Vielzahl unterschiedlicher Moleküle umfasst. Danach gehen wir auf die Rolle der Land- und Viehwirtschaft ein und beschäftigen uns näher mit dem viel zitierten Methan. Zum Abschluss widmen wir uns einem Aspekt, der leider praktisch noch gar keinen Eingang in die gängigen Diskussionen gefunden hat. Lasst euch überraschen!

Die Treibhausgase

Der Begriff “Treibhausgase” bezeichnet eine Gruppe von Gasen, die die Eigenschaft haben, Energie in Form von Sonnenstrahlen zu speichern und diese als Wärmeenergie wieder abzugeben. Statt ungestört ins Weltall zu entweichen, wird die Rückstrahlung also sozusagen von den Treibhausgasen “festgehalten”. Dadurch erhitzen sie indirekt das Klima. Die Erhöhung der Menge an Treibhausgasen in unserer Atmosphäre hat also die Folge, dass der Planet im Ganzen wärmer wird. Diese Folge nennt man den Treibhauseffekt und er ist ursächlich für die hauptsächlich menschengemachte Klimaerwärmung.

Ihrer Wirkung und Menge in der Atmosphäre nach am wichtigsten sind die Gase Kohlendioxid (CO₂), Methan (CH4) und Lachgas (N2O). Obwohl sie alle in die Kategorie “Treibhausgase” fallen, unterscheiden sie sich in mehreren Aspekten. So sind ihre jeweilige Quelle, die Verweildauer in der Atmosphäre, sowie die Art und Weise, wie sie miteinander interagieren, teils sehr unterschiedlich – ein Aspekt, der laut dem Forschungsinstitut für biologische Landwirtschaft (FiBL) in der Forschung leider oft vernachlässigt wird. (Quelle: orgprints.org)

80 % aller Schweizer Treibhausgasemissionen sind CO₂-Emissionen

Sie entstehen hauptsächlich durch die Verbrennung fossiler Energieträger (Braunkohle, Erdgas und Erdöl) durch die Industrie, im Verkehr und in den Privathaushalten. Diese drei Sektoren sind, wie ihr der Grafik entnehmen könnt, für über 70 % des CO₂-Ausstosses verantwortlich. 

Eine wichtige Eigenschaft von CO₂ ist seine extrem lange Verweildauer. Weil es so lange in der Atmosphäre bleibt, ist sein Effekt auf die Klimaerwärmung dementsprechend stark. Nach 1000 Jahren sind immer noch 15–40 % einer heute ausgestossenen Menge Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre vorhanden. Der gesamte Abbauprozess dauert sogar über 100.000 Jahre. (Quelle: umweltbundesamt.de)

Lachgas (N2O)

gelangt vor allem dann in die Atmosphäre, wenn der Stickstoff in synthetischen Düngern spontan mit dem Sauerstoff der Luft reagiert. Die Hauptursache des Lachgas-Ausstosses ist daher die intensive Landwirtschaft, die stark auf synthetische Dünger und Pestizide zurückgreift. Lachgas ist das stärkste Treibhausgas. Es hat ein Treibhauspotential von rund 300 CO₂-Äquivalenten und bleibt rund 120 Jahre in der Atmosphäre.

Das Methangas (CH4)

wiederum fällt in zwei Kategorien: Es kann je nach Herkunft unterschieden werden in biogenes sowie in nicht-biogenes Methan. Biogenes Methan in der Luft entsteht vor allem als Produkt des Stoffwechsels der Wiederkäuer, also auch der Kühe. Da sie die Rohfasern ihrer eigentlichen Hauptnahrung (sofern sie wesensgerecht gehalten werden), der Gräser, nicht selbst verdauen können, sind sie auf spezielle Mikroorganismen in einem ihrer Mägen, dem Pansen, angewiesen. Als Nebenprodukt entsteht dabei das Treibhausgas Methan und es gelangt durch den Mund der Kühe wieder in die Umwelt – daher die oft zitierte Metapher, dass Kühe das Methan “ausrülpsen”. Alles Weitere zu den Eigenschaften von Methan findest du weiter unten im Blog.

Bedeutung der Landwirtschaft

Die Theorie haben wir jetzt mehr oder minder abgedeckt. Aber was heisst das jetzt alles für die Praxis und welche Bedeutung haben die Rindviehhaltung und die Landwirtschaft auf die Treibhausgas-Emissionen in der Schweiz?

Aufklärung darüber bietet das schon weiter oben bediente Treibhausgas-Inventar des Bundesamts für Umwelt. Dieses weist alle Treibhausgas-Emissionen, unterteilt in Sektoren und Quellen sowie in die verschiedenen Treibhausgase, aus. Im Allgemeinen ging der Ausstoss in der Schweiz in den letzten Jahren leicht zurück – er ist allerdings immer noch auf einem viel zu hohen Level, um von einer Umkehr zu sprechen. 

Der geringe Anteil der synthetischen Gase (in der nachfolgenden Tabelle) entweicht bei der Nutzung und Herstellung von Kältemitteln in Kühlschränken oder Klimaanlagen.

Die Landwirtschaft war 2020 für rund 15 % der schweizweiten Emissionen verantwortlich. 

Klimakiller Kuh ist das wirklich so?

Wälder, Weideflächen und Feuchtgebiete haben die Eigenschaft, dass sie Kohlenstoff aus der Luft und aus abgestorbenem organischem Material im Boden binden. Die Nutzung von Grünflächen trägt deshalb nicht zum Klimawandel bei. Im Gegenteil verringert sie durch die Senkenwirkung unseren CO₂-Fussabdruck und ist Teil jeder ernstzunehmenden Lösungsstrategie zur Umkehrung des Klimawandels. (Quelle: Bafu)Wie die Kohlenstoffbindung durch die extensive Viehwirtschaft funktioniert, erklärt dieses Video sehr gut.

Treibhausgase

Auch wenn Industrie, Verkehr und Haushalt die grössten Verursacher der Treibhausgase sind, stammt der grösste Teil der Methan- und Lachgasemissionen aus dem Sektor industrielle Landwirtschaft. (Quelle: Bafu)

Bedeutung der Methan-Emissionen

Wie oben angedeutet, ist es aufgrund der unterschiedlichen Eigenschaften der Treibhausgase kompliziert, ihre Auswirkungen auf das Klima miteinander zu vergleichen. Die meistgenutzte Methode, um sie trotzdem miteinander vergleichen zu können, bestimmt das “Treibhauspotential” (GWP100) eines bestimmten Treibhausgases (z. B. eben Methan) über einen Zeitraum von 100 Jahren. Die Frage hierzu lautet also: Um wie viel erwärmt sich das Klima in einem Zeitraum von 100 Jahren, wenn eine bestimmte Menge eines Treibhausgases zusätzlich in der Atmosphäre landet? Da als Vergleichswert der Erwärmungseffekt eines Moleküls CO₂ herangezogen wird, werden die Ergebnisse in sogenannten “CO₂-Äquivalenten” angegeben. Ein Molekül CO₂ hat daher immer den Wert “1”. Dieser Methode nach ist ein Molekül Methan gleichwertig zu 21 Molekülen CO₂. (Quelle: wikipedia)

Hierin liegt der auf den ersten Blick logisch wirkende Hauptgrund für die Kritik an der Viehhaltung und ihrer Auswirkungen auf den Klimawandel. Wenn Kühe Methan ausstossen und Methan einen grösseren Effekt auf die Klimaerwärmung hat, müssen Kühe das Problem sein. Oder?

Das Methan im CO₂-Kreislauf

Das Methangas hat mehrere Eigenschaften, die es von anderen Treibhausgasen abhebt. Einerseits hat es eine sehr kurze Verweildauer von 12 Jahren. Nach diesen 12 Jahren reagiert es natürlicherweise mit Sauerstoff in der Luft zu CO₂. Andererseits ist das biogene Methan, also solches aus biologischen Prozessen wie aus der Viehhaltung, in einem ewigen Kreislauf natürlich gebunden.

Das zu CO₂ umgewandelte Methan wird nämlich von Gräsern und anderen Pflanzen durch die Fotosynthese aufgenommen und in Biomasse verwandelt. Die Kuh wiederum frisst die Gräser und der Kreis schliesst sich. Dieses Video erklärt das Ganze sehr anschaulich: 

Das von der Kuh ausgestossene Treibhausgas biogene Methan ist also ein “Flow Gas”, da es permanent in einem natürlichen biologischen Kreislauf rezykliert wird. 

Im Gegensatz dazu werden die CO₂-Emissionen, die aus der Verbrennung fossiler Energieträger stammen, nicht abgebaut. Stattdessen baut sich ihr Anteil an der Atmosphäre permanent auf. Daher nennt man diese nicht-biogenen Emissionen “stock gases”. (Quelle: ucdavis)

Hinsichtlich des Klimawandels besteht das Problem also offensichtlich nicht im Methanausstoss der Kühe. Zwei Gründe dafür haben wir bereits erwähnt: 

1. Wird das Methan der Kuh in einem Kreislauf permanent rezykliert und findet Eingang in ihrem natürlichen Habitus: dem Grünland

2. Wirken diese Grünflächen dem Klimawandel durch die Bindung von Kohlenstoffdioxid sogar entgegen

Seit Zehntausenden von Jahren gleich

Für das letzte Beweisstück müssen wir ein wenig in der Zeit zurückgehen. Tatsächlich ist das Menschenzeitalter in vielem einzigartig – in einem Punkt aber nicht: Die Anzahl der Wiederkäuer auf unserem Planeten war schon Jahrtausende vor der modernen Landwirtschaft in etwa die gleiche, wie sie es heute ist (ca. 1,5 Milliarden Tiere).(Quelle: pnas)

Das bedeutet im Umkehrschluss: Die Methanausstösse waren damals ebenfalls dieselben. Wenn die Wiederkäuer, und damit auch die Kuh, also definitionsgemäss der Grund für die Klimaerwärmung wären, hätte sich das Klima bis heute stetig erwärmen müssen. Da das nicht der Fall ist, ist die Gleichsetzung Kuh = Treibhausgase = Klimaerwärmung nicht nur falsch, sondern auch gefährlich. Eine extensive, regenerative Viehwirtschaft ist nämlich im Gegenteil der wohl vielversprechendste (und vielleicht einzige) Lösungsansatz zur Umkehr des Klimawandels. 

Während wir unsere Zeit damit verschwenden, über die böse Kuh herzuziehen, bläst die Industrie insbesondere in den USA und in China weiter ungestört Methan in die Luft, das sich im Gegensatz zu jenem aus der Landwirtschaft nicht wieder abbaut. Laut einer Berechnung der International Energy Agency werden die Zahlen sogar aktiv heruntergeschraubt, um von der Umweltverschmutzung der industriellen Tätigkeiten abzulenken – die effektiven Methanausstösse durch Öl und Gas in den untersuchten Ländern sind 70 % höher als von ihnen angegeben. (Quelle: IEA)

Diese Effekte zeigen sich sehr gut in der folgenden Satellitenkarte, die die räumliche Konzentration der globalen Methanemissionen auf der Welt darstellt. Wie man sieht, ist die Konzentration nicht etwa dort am höchsten, wo die meisten Rinder gehalten werden, sondern dort, wo die Industrie das meiste Treibhausgas ausstösst, als gäbe es kein morgen. (Quelle: OOE)

Die wirklichen Kausalitäten, die dem menschengemachten Klimawandel zugrunde liegen, scheinen einen Grossteil der Wissenschaft und der Medien aus unbekannten Gründen nicht zu interessieren. Die gesellschaftliche Tendenz, sich schnell auf einen Schuldigen festzulegen, um dann möglichst lange auf ihn einzuknüppeln, schlägt auch hier zu. Das Problem dabei ist, dass es dafür keine wissenschaftliche Evidenz gibt und dadurch auch zu keiner Lösung für die Probleme führen kann, die wir als Menschheit dringend lösen müssen.

Wir bei Alpahirt arbeiten mit eurer Hilfe an einer Landwirtschaft, die auf Erfahrung und traditionellem Wissen basiert und nicht nur heute produzieren will, sondern auch das Morgen im Auge behält. Wir wollen den Weg ebnen in eine enkeltaugliche Zukunft – die Kuh ist Teil davon! 

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