Bio-Landwirtschaft – Was ist das?

Bio-Landwirtschaft – Was ist das?

Früher war Bio-Landwirtschaft die Normalität. Die Landwirtschaft ist eine der ältesten und wichtigsten menschlichen Aktivitäten. Seit tausenden Jahren haben wir Pflanzen und Tiere gezüchtet, um Nahrungsmittel und andere wichtige Rohstoffe zu produzieren. Im Laufe der Zeit hat sich die Landwirtschaft jedoch stark weiterentwickelt, und es gibt heute viele verschiedene Formen, die sich auf unterschiedliche Ziele, Methoden und Technologien konzentrieren.

In diesem Beitrag werden wir einige der wichtigsten Formen der Landwirtschaft untersuchen, darunter die traditionelle Landwirtschaft, die industrielle Landwirtschaft und die nachhaltige, ökologische Landwirtschaft. Wir werden die Vor- und Nachteile jeder Form betrachten und untersuchen, wie sie sich auf die Umwelt, die Gesellschaft und die Wirtschaft auswirken können.

Konventionelle Landwirtschaft

Die konventionelle Landwirtschaft ist die auch heute noch die am weitesten verbreitete Methode in der Lebensmittelproduktion. Sie erlaubt den Einsatz synthetischer Pestizide (Krankheits- oder Schädlingsbekämpfer), von Herbiziden (Unkrautbekämpfer) und Düngemittel sowie genetisch veränderter Organismen (GVOs) und konzentriert sich darauf, maximale Erträge zu erzielen. Ein Grund dafür ist, dass die Preise für konventionell hergestellte Lebensmittel niedriger sind und die Profitabilität der Produktion daher nicht über die Marge, sondern die Menge bestimmt wird. Hier steht also die Quantität über der (Nährstoff-) Qualität.

Werden Nutztiere gehalten, werden diese oft in engen Käfigen oder Ställen gehalten und erhalten teilweise Wachstumshormone und Antibiotika, um schnell zu wachsen und Krankheiten zu bekämpfen. Diese werden allerdings häufig erst durch die enge Besatzdichte und das in grossen Mengen eingesetzte Kraftfutter verursacht.

So sind für Schweizer Rinder in der konventionellen Landwirtschaft nur drei Quadratmeter Stallplatz pro Tier vorgeschrieben – Vorschriften zu Auslauf und zur Fütterung mit wesensgerechtem Raufutter gibt es hier gar nicht. Auch die Vorschriften zu den Tiertransporten sind sehr lax. So dürfen konventionelle Mastrinder theoretisch bis zu 8 Stunden lang zum Schlachthof transportiert werden.

An dieser Stelle ist es wichtig, anzumerken, dass diese Grundsätze Verallgemeinerungen der jeweiligen Anbau- und Haltungsmethoden sind und sich ausserdem über alle Formen der Zertifizierung sowie die besten landwirtschaftlichen Methoden streiten lässt.

Tatsächlich haben die meisten Landwirte (auch konventionelle) häufig eine innige Beziehung zu ihren Tieren und ihrem Boden. Sie sind zudem, entgegen vieler medialer Darstellungen, nicht gleichgültig gegenüber den negativen Effekten, die unsere gemeinschaftliche landwirtschaftliche Praxis der letzten Jahrzehnte auf unsere Umwelt hatte. Solange die mit mangelhaftem Tierwohl und negativen ökologischen Effekten verbundene Intensiv-Viehhaltung allerdings erlaubt bleibt, wird diese auch Anwendung finden – oft unter dem fadenscheinigen Vorwand, nur das zu produzieren, „was nachgefragt wird“.

Bio-Landwirtschaft

In der biologischen Landwirtschaft ist der Einsatz synthetischer Pestizide, Herbizide, Düngemittel und GVOs nicht gestattet. Die Tiere haben mehr Platz zur Verfügung und es werden keine Wachstumshormone oder Antibiotika verwendet. Die Besatzdichte der Tiere ist dabei an die Grösse des Hofes gekoppelt – so wird grösstenteils vermieden, dass Futter zugekauft werden muss und dass die Böden überdüngt werden.

Ziel ist es, die natürlichen Kreisläufe aufrechtzuerhalten und den Boden durch den Einsatz von organischen Düngemitteln und Fruchtwechseln zu verbessern. In der Schweiz gilt, im Gegensatz zum EU-Ausland, dass der gesamte Betrieb und nicht nur ein Teil davon biologisch geführt werden muss.

Und bei Alpahirt? Die Mutterkühe der Alpahirt Partner-Landwirte sind durchschnittlich 20 Kilometer zum Metzger unterwegs und werden immer vom Landwirt selbst begleitet. Dies sichert einen stressfreien letzten Gang und somit höchste Fleischqualität von Beginn an. Alle Alpahirt-Rinder verbringen meist 100 Tage und mehr ihres Jahres auf der Alp und rund 200 Tage pro Jahr im Freien. Sie fressen dabei ausschliesslich Grünfutter. Soja und Getreide sind unserer Meinung nach kein Teil einer für Tier und Umwelt gesunden Futterration. Kann der Landwirt es rechtfertigen, so liegt eine maximal 5 %-ige Zufütterung mit hofeigenem Getreide auch bei Alpahirt im Rahmen. Von unseren 100 Partnerlandwirten macht dies jedoch nur etwa eine Handvoll.

Bei der Rinderhaltung ist vorgeschrieben, dass den Tieren mindestens 4.5 Quadratmeter Stellfläche zur Verfügung steht und dass ganzjährig „genügend“ Auslauf in Form von Weidegängen oder einem Laufstall gewährleistet sein muss. Bei Mutterkühen findet dieser Auslauf in Form einer Weidezeit von mindestens 26 Tagen während der Vegetationsperiode oder mittels eines Laufstalles statt. In den Schweizer Gebirgskantonen wie Graubünden ist es ausserdem üblich, dass die Kühe im Sommer gealpt werden und dort durchschnittlich 100 Tage im Jahr jeden Tag draussen sind.

Obwohl sich der Bio-Markt und damit auch die Bio-Landwirtschaft auch im Zuge der COVID-Pandemie einen festen Platz ergattern konnte, beträgt der Bio-Anteil an der gesamten landwirtschaftlichen Fläche in der Schweiz immer noch nur rund 11 %. 

In Berggebieten ist dieser Anteil höher. In Graubünden, der Heimat der Mutterkühe unserer Landwirte, sind es sogar rund 57 %. Das hat den Grund, dass sich auf dem schwierigen Gelände der Alpwiesen und -weiden eine konventionelle Landwirtschaft schlicht nicht rechnen würde. Wir (und auch du) unterstützen damit diejenige Landwirtschaft, die unseren geografischen Gegebenheiten am besten angepasst ist.

Und bei Alpahirt? Das sagt unser Partner-Landwirt Stefan aus Uors dazu: „Bei den Feldfrüchten (Getreide- und Gemüseanbau) ist die Bio-Landwirtschaft der konventionellen eindeutig überlegen, was die Umwelt anbelangt. In Sachen Rinderhaltung und Tierwohl im Berggebiet gibt es aber bessere Labels als Bio. So ist bei der Bio-Deklaration z.B. auch die Anbindehaltung bei der Milchproduktion Gang und Gäbe. Auch sind die Labels "BTS / Raus" und neu "WeideRaus" bei Bio nicht standardmässig vorgeschrieben. Labels wie „Mutterkuh Schweiz“ hingegen schreiben diese vor. Die Entscheidung für oder gegen eine Methode und, daran anschliessend, für eine Zertifizierung muss deshalb immer von Fall zu Fall beurteilt werden.“

Biodynamische Landwirtschaft


Die biodynamische Landwirtschaft teilt die meisten Prinzipien der Bio-Landwirtschaft. Sie basiert aber zusätzlich auf der anthroposophischen Philosophie und ist bestrebt, die gesamte Farm als eine Art organischen Organismus zu betrachten. Hier stehen der Boden, die Pflanzen, die Tiere und die Menschen miteinander in Einklang. In der biodynamischen Landwirtschaft werden über die biologischen Prinzipien hinaus zusätzlich spezielle Präparate verwendet, um den Boden und die Pflanzen zu stärken, sowie um den natürlichen Rhythmen und Zyklen der Natur zu folgen.

Integrierte Produktion

Die integrierte Produktion (IP) ist sozusagen eine Kreuzung aus Bio- und konventioneller Landwirtschaft und versucht, die Vorteile der Bio-Landwirtschaft mit denen der konventionellen Landwirtschaft zu kombinieren. In der IP ist der Einsatz von Pestiziden, Düngemitteln und Antibiotika nicht verboten – es wird allerdings versucht, diesen durch diverse Anbaumethoden zu minimieren. 

Und bei Alpahirt?

Für Alpahirt und unsere Landwirte, ohne die es uns nicht geben würde, gilt: „Bio“ ist oftmals ein guter Anfang, aber nicht das Ende der Tierwohl-Weisheit. Das bedeutet, dass wir bei folgenden Kernpunkten weitergehen:

  • Keinerlei „Facelifting“ in Form von Zusatzstoffen jeglicher Art. Die Qualität des Fleisches spricht für sich.
  • Nur Tiere aus Mutterkuhhaltung, da diese Haltungsform das höchste Tierwohl garantiert.
  • Basis ist eine wesensgerechte, grasbasierte Fütterung, die nicht mit Feldfrüchten für den Menschen konkurriert (Feed no Food).
  • Alle Tiere sind so lange auf der Weide, wie es der Standort zulässt (z.B. bei Schneefall oder zur Verhinderung der Überweidung).

Fazit

Die Wahl der Landwirtschaftsform hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschliesslich der verfügbaren natürlichen und finanziellen Ressourcen und der Art des Hofes beziehungsweise seiner Erzeugnisse. 

Dabei sind die Grundgedanken der Bio-Landwirtschaft auf jeden Fall wichtig und richtig - insbesondere die Schliessung der Nährstoffkreisläufe, die ohne die Viehhaltung auch in Zukunft nicht möglich sein wird. Angesichts der Notwendigkeit zur Regeneration, also nicht nur zur Erhaltung, unserer natürlichen Ressourcen ist “Bio” allerdings nicht der Weisheit letzter Schluss. Die konsequente Umsetzung der “Feed no Food” Praxis ist in der Schweizer Bio-Rinderhaltung zum Glück weitgehend gegeben. 

Es ist für Politik, Verbände und Konsumenten jedoch entscheidend zu verstehen, dass resiliente Ökosysteme nur durch eine Transformation unserer Konsum- und Marktstrukturen zu erreichen sind. Ein “Weiter so” in Bezug auf immer mehr Output und das Einverleiben des “Nachhaltigkeit”-Claims des Marktes, das oft zu Greenwashing-Praktiken führt, entsprechen nicht einem bewussten Umgang mit unseren Ressourcen. Dafür sind im Gegenteil die Umsetzung zirkulärer wirtschaftlicher Leitplanken und nicht die Fortführung einer simplen “Input-Output” Maxime unabdingbar.

Quellen

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